Mars: Kanäle und Flusstäler

Seit 1877, als der italienische Astronom Schiaparelli die geheimnisvollen Kanälen auf dem Mars entdeckte, haben diese die Phantasie der Menschen angeregt. Die dunklen Linien auf der Marsscheibe wurden sogar als künstlich angelegte Kanäle, als das Werk von Marsmenschen, angesehen. Spätere Beobachter stellten jedoch fest, dass die meisten der Kanäle aus einer Reihe von unregelmäßigen Flecken bestanden, dass es also gar keine zusammenhängenden Linien waren, sondern eine optische Täuschung.
Auf den Nahaufnahmen des Mars mit den Kameras der Raumsonden gab es keine klassischen Kanäle. Es wurden hingegen an vielen Stellen der Planetenoberfläche ganz andere Kanäle entdeckt: Formationen natürlichen Ursprungs in Form von ausgetrockneten Stromtälern, die Hunderte von Kilometern lang waren. Eine überraschende Feststellung, denn unter den derzeitigen Bedingungen kann auf dem Mars kein fließendes Wasser existieren; es würde vereisen oder verdampfen. Man nimmt jedoch an, dass eine große Wassermenge unter der Marsoberfläche als Eis in Form des Permafrosts (Analogie zum ständig zugefrorenen Boden in den Polarregionen der Erde) existiert und dass in größerer Tiefe auch flüssiges Wasser zu finden sein könnte. In einer entfernten geologischen Vergangenheit z. B. in einer Zeit intensiver vulkanischer Tätigkeit, konnte Mars eine dichtere und wärmere Atmosphäre gehabt haben, und in solchen Zeiten hätte das unter der Oberfläche freigewordene Wasser entweder langsam als Fluss oder rasch wie eine katastrophale Überschwemmung das Antlitz des Planeten modellieren können. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass manche der ausgetrockneten Flusstäler von strömender Lava ausgehöhlt worden sind.
Ein ganz anderer Typ von Kanälen sind Formationen tektonischen Ursprungs, Risse Spalten, Canons u. ä. Die bekanntesten sind im riesigen Canonsystem Valles Marineris zu finden, das sich in einer Länge von 4500km über ein Viertel des Planetenumfangs mit seiner Breite von 150 bis 700km siehe (Topographische Karte West) hinzieht. An den Wänden und Böden der Canons sieht man zahlreiche Spuren von großen Erdrutschen und von fortgesetzter tektonischer Tätigkeit. Eine sog große Formation wie das Valles Marineris sollte auch bei Beobachtungen des Mars von der Erde aus sichtbar sein. Das ist tatsächlich der Fall: die klassische Albedo-Formation - der Kanal Coprates - deckt sich genau mit dem Mariner-Tal, eine der wenigen Ausnahmen, wo ein Albedo-Kanal sein Gegenstück in einer Terrainformation hat.