Papst Benedikt XVI

BENEDIKT XVI.

19. April 2005

 

Annuntio vobis gaudium magnum;
habemus Papam:

Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum,
Dominum Josephum
Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger
qui sibi nomen imposuit Benedictum XVI

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Nach einem großen Papst, Johannes Paul II., haben die Herrn Kardinäle mich gewählt, einen einfachen, unwürdigen Arbeiter im Weinberg des Herrn.

Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit unzureichenden Instrumenten zu arbeiten und zu handeln versteht, und vor allem vertraue ich mich euren Gebeten an.

In der Freude des auferstandenen Herrn schreiten wir im Vertrauen auf seine beständige Hilfe voran. Der Herr möge uns helfen. Maria, seine heiligste Mutter, begleitet uns. Danke.

Bildergalerie zur Verkündung "Habemus Papam" und Segen "Urbi et Orbi" 19. April 2005

Reaktionen in Deutschland / Bayern

Einführungszeremonie des Papstes in sein neues Amt 24. April 2005

Papst Benedikt XVI Verkündung Habemus Papam und erste Rede sowie Videos nach dem Tod von Johannes Paul II, hier zum downloaden: 3. Account

Hl. MESSE ZUR AMTSEINFÜHRUNG
VON PAPST BENEDIKT
XVI.

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS BENEDICT XVI.

Sonntag, 24. April 2005

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt,
sehr geehrte Staatsoberhäupter, Mitglieder der offiziellen Delegationen und des Diplomatischen Corps,
liebe Brüder und Schwestern
!

Dreimal hat uns in diesen ereignisreichen Tagen der Gesang der Allerheiligenlitanei begleitet: beim Begräbnis unseres heimgegangenen Heiligen Vaters Johannes Pauls II.; beim Einzug der Kardinäle ins Konklave, und jetzt haben wir es soeben wieder gesungen mit der Bitte: Tu illum adiuva - sostieni il nuovo successore di S. Pietro. Jedes Mal habe ich auf eigene Weise dieses gesungene Gebet als großen Trost empfunden. Wie verlassen fühlten wir uns nach dem Heimgang von Johannes Paul II., der gut 26 Jahre unser Hirt und Führer auf dem Weg durch diese Zeit gewesen war. Nun hatte er die Schwelle ins andere Leben – ins Geheimnis Gottes hinein überschritten. Aber er ging nicht allein. Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht. Nun konnten wir die Heiligen aller Jahrhunderte herbeirufen – seine Freunde, seine Geschwister im Glauben. Und wir wußten, daß sie gleichsam das lebendige Fahrzeug sein würden, das ihn hinüber- und hinaufträgt zur Höhe Gottes. Wir wußten, wenn er ankommt, wird er erwartet. Er ist unter den Seinen, und er ist wahrhaft zu Hause. Wiederum war es so, als wir den schweren Zug ins Konklave gingen, um den zu finden, den der Herr erwählt hat. Wie sollten wir nur den Namen erkennen? Wie sollten 115 Bischöfe aus allen Kulturen und Ländern den finden, dem der Herr den Auftrag des Bindens und des Lösens geben möchte? Aber wieder wußten wir: Wir sind nicht allein. Wir sind von den Freunden Gottes umgeben, geleitet und geführt. Und nun, in dieser Stunde, muß ich schwacher Diener Gottes diesen unerhörten Auftrag übernehmen, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet. Wie sollte ich das? Wie kann ich das? Aber Ihr alle, liebe Freunde, habt nun die ganze Schar der Heiligen stellvertretend durch einige der großen Namen der Geschichte Gottes mit den Menschen herbeigerufen, und so darf auch ich wissen: Ich bin nicht allein. Ich brauche nicht allein zu tragen, was ich wahrhaftig allein nicht tragen könnte. Die Schar der Heiligen Gottes schützt und stützt und trägt mich. Und Euer Gebet, liebe Freunde, Eure Nachsicht, Eure Liebe, Euer Glaube und Euer Hoffen begleitet mich. Denn zur Gemeinschaft der Heiligen gehören nicht nur die großen Gestalten, die uns vorangegangen sind und deren Namen wir kennen. Die Gemeinschaft der Heiligen sind wir alle, die wir auf den Namen von Vater, Sohn und Heiligen Geist getauft sind und die wir von der Gabe des Fleisches und Blutes Christi leben, durch die er uns verwandeln und sich gleich gestalten will. Ja, die Kirche lebt – das ist die wunderbare Erfahrung dieser Tage. Durch alle Traurigkeit von Krankheit und Tod des Papstes hindurch ist uns dies auf wunderbare Weise sichtbar geworden: Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft. Die Kirche lebt – wir sehen es, und wir spüren die Freude, die der Auferstandene den Seinen verheißen hat. Die Kirche lebt – sie lebt, weil Christus lebt, weil er wirklich auferstanden ist. Wir haben an dem Schmerz, der auf dem Gesicht des Heiligen Vaters in den Ostertagen lag, das Geheimnis von Christi Leiden angeschaut und gleichsam seine Wunden berührt. Aber wir haben in all diesen Tagen auch den Auferstandenen in einem tiefen Sinn berühren dürfen. Wir dürfen die Freude verspüren, die er nach der kurzen Weile des Dunkels als Frucht seiner Auferstehung verheißen hat.

Die Kirche lebt – so begrüße ich in großer Freude und Dankbarkeit Euch alle, die Ihr hier versammelt seid, verehrte Kardinäle und Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester, Diakone, pastorale Mitarbeiter und Katechisten. Ich grüße Euch, gottgeweihte Männer und Frauen, Zeugen der verwandelnden Gegenwart Gottes. Ich grüße Euch, gläubige Laien, die Ihr eingetaucht seid in den weiten Raum des Aufbaus von Gottes Reich, das sich über die Welt in allen Bereichen des Lebens ausspannt. Voller Zuneigung richte ich meinen Gruß auch an alle, die, im Sakrament der Taufe wiedergeboren, noch nicht in voller Gemeinschaft mit uns stehen; sowie an Euch, Brüder aus dem jüdischen Volk, mit dem wir durch ein großes gemeinsames geistliches Erbe verbunden sind, das in den unwiderruflichen Verheißungen Gottes seine Wurzeln schlägt. Schließlich gehen meine Gedanken – gleichsam wie eine Welle, die sich ausbreitet – zu allen Menschen unserer Zeit, zu den Glaubenden und zu den Nichtglaubenden.

Liebe Freunde! Ich brauche in dieser Stunde keine Art von Regierungsprogramm vorzulegen; einige Grundzüge dessen, was ich als meine Aufgabe ansehe, habe ich schon in meiner Botschaft vom Mittwoch, dem 20. April, vortragen können; andere Gelegenheiten werden folgen. Das eigentliche Regierungsprogramm aber ist, nicht meinen Willen zu tun, nicht meine Ideen durchzusetzen, sondern gemeinsam mit der ganzen Kirche auf Wort und Wille des Herrn zu lauschen und mich von ihm führen zu lassen, damit er selbst die Kirche führe in dieser Stunde unserer Geschichte. Statt eines Programms möchte ich einfach die beiden Zeichen auszulegen versuchen, mit denen die In-Dienst-Nahme für die Nachfolge des heiligen Petrus liturgisch dargestellt wird; beide Zeichen spiegeln übrigens auch genau das, was in den Lesungen dieses Tages gesagt wird.

Das erste Zeichen ist das Pallium, ein Gewebe aus reiner Wolle, das mir um die Schultern gelegt wird. Dieses uralte Zeichen, das die Bischöfe von Rom seit dem 4. Jahrhundert tragen, mag zunächst einfach ein Bild sein für das Joch Christi, das der Bischof dieser Stadt, der Knecht der Knechte Gottes auf seine Schultern nimmt. Das Joch Gottes – das ist der Wille Gottes, den wir annehmen. Und dieser Wille ist für uns nicht eine fremde Last, die uns drückt und die uns unfrei macht. Zu wissen, was Gott will, zu wissen, was der Weg des Lebens ist – das war die Freude Israels, die es als eine große Auszeichnung erkannte. Das ist auch unsere Freude: Der Wille Gottes entfremdet uns nicht, er reinigt uns – und das kann weh tun – aber so bringt er uns zu uns selber, und so dienen wir nicht nur ihm, sondern dem Heil der ganzen Welt, der ganzen Geschichte. Aber die Symbolik des Palliums ist konkreter: Aus der Wolle von Lämmern gewoben will es das verirrte Lamm oder auch das kranke und schwache Lamm darstellen, das der Hirt auf seine Schultern nimmt und zu den Wassern des Lebens trägt. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dem der Hirte in die Wüste nachgeht, war für die Kirchenväter ein Bild für das Geheimnis Christi und der Kirche. Die Menschheit, wir alle, sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Den Sohn Gottes leidet es nicht im Himmel; er kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verläßt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt. Das Pallium sagt uns zuallererst, daß wir alle von Christus getragen werden. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen. So wird das Pallium zum Sinnbild für die Sendung des Hirten, von der die zweite Lesung und das Evangelium sprechen. Den Hirten muß die heilige Unruhe Christi beseelen, dem es nicht gleichgültig ist, daß so viele Menschen in der Wüste leben. Und es gibt vielerlei Arten von Wüsten. Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind. Deshalb dienen die Schätze der Erde nicht mehr dem Aufbau von Gottes Garten, in dem alle leben können, sondern dem Ausbau von Mächten der Zerstörung. Die Kirche als Ganze und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle. Das Symbol des Lammes hat aber auch noch eine andere Seite. Im alten Orient war es üblich, daß die Könige sich als Hirten ihrer Völker bezeichneten. Dies war ein Bild ihrer Macht, ein zynisches Bild: Die Völker waren wie Schafe für sie, über die der Hirte verfügt. Der wahre Hirte aller Menschen, der lebendige Gott, ist selbst zum Lamm geworden, er hat sich auf die Seite der Lämmer, der Getretenen und Geschlachteten gestellt. Gerade so zeigt er sich als der wirkliche Hirt. „Ich bin der wahre Hirte... Ich gebe mein Leben für die Schafe“, sagt Jesus von sich (Joh 10, 14f). Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Sie ist das Zeichen Gottes, der selbst die Liebe ist. Wie oft wünschten wir, daß Gott sich stärker zeigen würde. Daß er dreinschlagen würde, das Böse ausrotten und die bessere Welt schaffen. Alle Ideologien der Gewalt rechtfertigen sich mit diesen Motiven: Es müsse auf solche Weise zerstört werden, was dem Fortschritt und der Befreiung der Menschheit entgegenstehe. Wir leiden unter der Geduld Gottes. Und doch brauchen wir sie alle. Der Gott, der Lamm wurde, sagt es uns: Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.

So muß es eine Haupteigenschaft des Hirten sein, daß er die Menschen liebt, die ihm anvertraut sind, weil und wie er Christus liebt, in dessen Diensten er steht. „Weide meine Schafe“, sagt Christus zu Petrus, sagt er nun zu mir. Weiden heißt lieben, und lieben heißt auch, bereit sein zu leiden. Und lieben heißt: den Schafen das wahrhaft Gute zu geben, die Nahrung von Gottes Wahrheit, von Gottes Wort, die Nahrung seiner Gegenwart, die er uns in den heiligen Sakramenten schenkt. Liebe Freunde – in dieser Stunde kann ich nur sagen: Betet für mich, daß ich den Herrn immer mehr lieben lerne. Betet für mich, daß ich seine Herde – Euch, die heilige Kirche, jeden einzelnen und alle zusammen immer mehr lieben lerne. Betet für mich, daß ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe. Beten wir füreinander, daß der Herr uns trägt und daß wir durch ihn einander zu tragen lernen. 

Das zweite Zeichen, mit dem in der Liturgie dieses Tages die Einsetzung in das Petrusamt dargestellt wird, ist die Übergabe des Fischerrings. Die Berufung Petri zum Hirten, die wir im Evangelium gehört haben, folgt auf die Geschichte von einem reichen Fischfang: Nach einer Nacht, in der die Jünger erfolglos die Netze ausgeworfen hatten, sahen sie den auferstanden Herrn am Ufer. Er befiehlt ihnen, noch einmal auf Fang zu gehen, und nun wird das Netz so voll, daß sie es nicht wieder einholen können: 153 große Fische. „Und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht“ (Joh 21, 11). Diese Geschichte am Ende der Wege Jesu mit seinen Jüngern antwortet auf eine Geschichte am Anfang: Auch da hatten die Jünger die ganze Nacht nichts gefischt; auch da fordert Jesus den Simon auf, noch einmal auf den See hinauszufahren. Und Simon, der noch nicht Petrus heißt, gibt die wunderbare Antwort: Meister, auf dein Wort hin werfe ich die Netze aus. Und nun folgt der Auftrag: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fischen“ (Lk 5, 1 – 11). Auch heute ist es der Kirche und den Nachfolgern der Apostel aufgetragen, ins hohe Meer der Geschichte hinauszufahren und die Netze auszuwerfen, um Menschen für das Evangelium – für Gott, für Christus, für das wahre Leben – zu gewinnen. Die Väter haben auch diesem Vorgang eine ganz eigene Auslegung geschenkt. Sie sagen: Für den Fisch, der für das Wasser geschaffen ist, ist es tödlich, aus dem Meer geholt zu werden. Er wird seinem Lebenselement entrissen, um dem Menschen zur Nahrung zu dienen. Aber beim Auftrag der Menschenfischer ist es umgekehrt. Wir Menschen leben entfremdet, in den salzigen Wassern des Leidens und des Todes; in einem Meer des Dunkels ohne Licht. Das Netz des Evangeliums zieht uns aus den Wassern des Todes heraus und bringt uns ans helle Licht Gottes, zum wirklichen Leben. In der Tat – darum geht es beim Auftrag des Menschenfischers in der Nachfolge Christi, die Menschen aus dem Salzmeer all unserer Entfremdungen ans Land des Lebens, zum Licht Gottes zu bringen. In der Tat: Dazu sind wir da, den Menschen Gott zu zeigen. Und erst wo Gott gesehen wird, beginnt das Leben richtig. Erst wo wir dem lebendigen Gott in Christus begegnen, lernen wir, was Leben ist. Wir sind nicht das zufällige und sinnlose Produkt der Evolution. Jeder von uns ist Frucht eines Gedankens Gottes. Jeder ist gewollt, jeder ist geliebt, jeder ist gebraucht. Es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken. Die Arbeit des Hirten, des Menschenfischers mag oft mühsam erscheinen. Aber sie ist schön und groß, weil sie letzten Endes Dienst an der Freude Gottes ist, die in der Welt Einzug halten möchte.

Noch eins möchte ich hier anmerken: Sowohl beim Hirtenbild wie beim Bild vom Fischer taucht der Ruf zur Einheit ganz nachdrücklich auf. „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten“ (Joh 10, 16), sagt Jesus am Ende der Hirtenrede. Und das Wort von den 153 großen Fischen endet mit der freudigen Feststellung: „Und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht“ (Joh 21, 11). Ach, lieber Herr, nun ist es doch zerrissen, möchten wir klagend sagen. Aber nein – klagen wir nicht! Freuen wir uns über die Verheißung, die nicht trügt und tun wir das Unsrige, auf der Spur der Verheißung zu gehen, der Einheit entgegen. Erinnern wir bittend und bettelnd den Herrn daran: Ja, Herr, gedenke deiner Zusage. Laß einen Hirten und eine Herde sein. Laß dein Netz nicht zerreißen, und hilf uns Diener der Einheit zu sein!

In dieser Stunde geht meine Erinnerung zurück zum 22. Oktober 1978, als Papst Johannes Paul II. hier auf dem Petersplatz sein Amt übernahm. Immer noch und immer wieder klingen mir seine Worte von damals in den Ohren: Non avete paura: Aprite, anzi spalancate le porte per Cristo! Der Papst sprach zu den Starken, zu den Mächtigen der Welt, die Angst hatten, Christus könnte ihnen etwas von ihrer Macht wegnehmen, wenn sie ihn einlassen und die Freiheit zum Glauben geben würden. Ja, er würde ihnen schon etwas wegnehmen: die Herrschaft der Korruption, der Rechtsbeugung, der Willkür. Aber er würde nichts wegnehmen von dem, was zur Freiheit des Menschen, zu seiner Würde, zum Aufbau einer rechten Gesellschaft gehört. Und der Papst sprach zu den Menschen, besonders zu den jungen Menschen. Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz herein lassen, uns ihm ganz öffnen, könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben? Müssen wir dann nicht auf so vieles verzichten, was das Leben erst so richtig schön macht? Würden wir nicht eingeengt und unfrei? Und wiederum wollte der Papst sagen: Nein. Wer Christus einläßt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist. So möchte ich heute mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens Euch, liebe junge Menschen, sagen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, aprite, spalancate le porte per Cristo – dann findet Ihr das wirkliche Leben. Amen.

Copyright © Libreria Editrice Vaticana

 

19. April 2005

 

Kardinäle wählen Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI.

Kardinal Joseph Ratzinger ist der neue Papst. Er wurde von den in dem Konklave im Petersdom versammelten Kardinälen zu Papst Benedikt XVI. ernannt. Das gaben Kurienkradinäle um 18.40 Uhr auf dem Balkon des Petersdoms bekannt. Der 78-jährige Ratzinger ist der erste deutsche Pontifex seit 480 Jahren. Er war zuvor als einer der Favoriten gehandelt worden.

Ratzinger trat kurz darauf vor die begeisterte Menge auf dem Petersplatz. "Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn und vertraue mich euren Gebeten an", sprach der neue Papst zu den Gläubigen. Die Menschen brachen daraufhin in minutenlange Sprechchöre aus. Anschließend spendete Benedikt XVI. den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis).

Einer der Gläubigen, Renato Mozzetti, sagte unserem Korrespondenten, er erhoffe sich von Ratzinger, dass er den von Johannes Paul II. eingeschlagenen Kurs fortführe. Er beschrieb die Stimmung unter den Menschen als "unbeschreiblich".

Zunächst Unsicherheit über Rauchfarbe

Kurz vor 18 Uhr hatte weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle die Wahl eines neuen Papstes verkündet. Kurz darauf erklang die Glocke des Petersdoms, die die erfolgreiche Wahl des neuen Kirchenoberhauptes verkündet.

Zehntausende Gläubige, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten, brachen in stürmischen Jubel aus. Zuvor hatte es minutenlang Unklarheit gegeben, welche Farbe der Rauch hatte. Als das Glockengeläut Gewissheit brachte, veranstalteten Autofahrer in den Straßen Roms ein Hupkonzert, zahlreiche Menschen strömten zum Petersplatz, um den Auftritt des neuen Pontifex mitzuerleben.

Damit konnten sich die 115 Kardinäle des Konklave bereits im vierten oder fünften Wahlgang auf einen neuen Papst einigen - eine ungewöhnlich rasche Wahl. Ratzinger ist der 265. Papst in der Kirchengeschichte. Der Papst ist der oberste Kirchenführer von weltweit über einer Milliarde Katholiken.

(N24.de, Netzeitung)

 

Mittwoch, 20. April 2005

Weltweite Freude
Erste Messe als Papst


Der neue Papst Benedikt XVI. hat die Einheit der Christen und den Dialog mit anderen Religionen als seine wichtigsten Aufgaben bezeichnet. In seiner ersten Predigt - nur gut 15 Stunden nach seiner Wahl - skizzierte Joseph Der neue Papst Benedikt XVI. will die Einheit der Christen und den Dialog mit anderen Religionen zu seinen wichtigsten Zielen machen. In seiner ersten Predigt gut 15 Stunden nach der Wahl skizzierte der 78-Jährige am Mittwoch in der Sixtinischen Kapelle Grundzüge eines Programms für sein Pontifikat. Dabei rückte er auch die Bewahrung des Friedens in den Mittelpunkt.
 

 
Im August will der Papst zum Weltjugendtag nach Köln kommen: "Mit Euch, liebe Jugend, Zukunft und Hoffnung der Kirche und der Menschheit, will ich weiter den Dialog führen." Die Wahl ist weltweit überwiegend positiv aufgenommen worden, doch gab es auch sehr kritische Stimmen. US-Präsident George W. Bush lobte Benedikt XVI. als Mann mit "großer Weisheit und Erfahrung".
 

 
An der ersten Messe des deutschen Papstes nahmen zahlreiche Kardinäle aus aller Welt teil. Dabei bekannte er sich entschieden zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965), dessen Umsetzung er fortsetzen wolle. Das Konzil hatte eine Öffnung der Kirche zur Welt und innerkirchliche Reformen in Gang gesetzt.
 

 
"Der Nachfolger des Petrus übernimmt die vorrangige Verpflichtung, mit aller Kraft an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit aller zu arbeiten, die Christus folgen", sagte der neue Pontifex unter dem prächtigen Freskengewölbe. "Dafür reicht es nicht, guten Willen zu demonstrieren. Konkrete Taten sind notwendig", sagte Benedikt XVI. in der auf Latein gehaltenen Predigt. Zugleich rief er zu Frieden und Dialog auf.
 

 
Eindringlich erinnerte der Papst an seinen Vorgänger Johannes Paul II. "Es scheint mir, seine starke Hand zu fühlen, die meine festhält." Er hinterlasse "eine mutigere, freiere und jüngere Kirche".
 

 
Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski drückte in seinem Glückwunschschreiben seine Hoffnung auf Kontinuität des Werkes von Johannes Paul II. aus. "Es weckt in uns Vertrauen und Hoffnung, dass ein Vertreter des deutschen Volkes zum Hirten der katholischen Kirche gewählt wurde, unseres Nachbarn, mit dem wir eine historische Aussöhnung erreichten und gemeinsam Europa bauen".
 

 
In Lateinamerika, wo knapp die Hälfte der 1,1 Milliarden Katholiken lebt, wurde die Wahl Ratzingers als Zeichen der Kontinuität von Kirchenvertretern überwiegend begrüßt. Es gab aber auch Skepsis und Kritik unter anderem von Befreiungstheologen. Der israelische Außenminister Silwan Schalom zählt im Kampf gegen Antisemitismus auf Benedikt XVI. Die chinesische Regierung gratulierte dem Papst und nannte zugleich Bedingungen für eine Verbesserung der Beziehungen.
 

 
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hob nach der Wahl in Rom hervor, dass Ratzinger es vermocht habe, in einer Phase des geistigen und sozialen Wandels die Substanz des katholischen Glaubens zu bewahren.
 

 
Der katholische Theologe Hans Küng sprach von einer «Riesenenttäuschung» für alle Reformorientierten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hofft, dass die Ökumene weiter vorangetrieben werde, etwa bei der Frage des gemeinsamen Abendmahls.
 

 
Mit den Worten "Habemus papam" (Wir haben einen Papst) war Joseph Ratzinger am Dienstagabend nach dem nur 26-stündigen Konklave auf dem Balkon des Petersdomes der Weltöffentlichkeit präsentiert worden. Das Rätsel, warum es nach der Wahl zunächst Verwirrung über die Farbe des Rauchs gab, löste der niederländische Kardinal Adrianus Simonis. Es habe Probleme mit dem Entzünden des Feuers gegeben. Der erste Versuch, weißen Rauch aus dem Schornstein steigen zu lassen, sei missglückt. "Auf einmal stand die ganze Kapelle unter Rauch", schilderte Simonis in einem Interview in den Niederlanden.
 

 
Bei der Abstimmung gab es nach Angaben des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, keinen Richtungsstreit zwischen konservativen und liberalen Kräften. "Diese Kategorien treffen einfach nicht zu", sagte Schönborn im Österreichischen Fernsehen.
 

 
Noch am Mittwoch wollte der neue Papst in den Apostolischen Palast umziehen. Dort befinden sich die Papstgemächer in der dritten Etage hoch über dem Petersplatz. Ein Fischerring zum Zeichen der Papstmacht müsse erst noch in der richtigen Größe angefertigt werden, berichteten italienische Medien. An diesem Sonntag findet die Messe zur feierlichen Amtseinführung im Petersdom statt.

Mittwoch, 20. April 2005

Papst-Torte, Vatikanbrot, Presse
Marktl steht Kopf


Am Morgen danach sind sie alle noch ein wenig unausgeschlafen in dem kleinen oberbayerischen Dorf Marktl. Bis tief in die Nacht haben sie die Wahl "ihres" Kardinals Joseph Ratzinger zum neuen Papst gefeiert. Noch weniger Schlaf fanden die Bäcker der 2.700-Seelen-Gemeinde: Geschäftstüchtig kreierten sie nachts eine zuckersüße Überraschung für den prominentesten Sohn ihrer Gemeinde: die Papst-Benedikt-XVI.-Torte. Die Stücke zum Preis von 1,30 Euro sind am Mittwoch im Nu verkauft, auch das "Vatikanbrot" für einen Euro findet reißenden Absatz.
 
Der Geburtsort des neuen Papstes befindet sich im Ausnahmezustand: Der Ortskern ist abgeriegelt, Kamerateams aus aller Welt prägen seit Dienstagabend das Ortsbild. Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 in Marktl geboren.
 
"Das hebt einen"
 
"Wir sind stolz, dass ein Marktler Papst gworden ist", sagt der Einheimische Günther Völker - auch wenn der kleine Joseph schon nach zwei Jahren mit Eltern und Geschwistern ins nahe Tittmoning zog. Voller Stolz erzählt der 57-Jährige, dass dieselbe Hebamme Emilie Schneidermeier, die ihm zur Geburt verhalf, auch Joseph Ratzinger vor 78 Jahren auf die Welt holte. "Das hebt einen natürlich", sagt er mit einem Schmunzeln auf den Lippen, um dann aber gleich wieder ernst zu werden. "Wir Marktler wollen kein Kapital daraus schlagen, dass der neue Papst aus unserer Mitte kommt."
 
Die Einwohner im Ort sind am Tag nach der Sensation beinahe ein wenig überfordert mit dem Geschehen, hat es den Anschein. Sicherlich liegt es nicht nur am strömenden Regen, dass sich inzwischen nur noch wenige auf die Straße trauen. Wer es dennoch wagt, dem wird sofort ein Mikrofon vor den Mund gehalten und eine Fernsehkamera vor ihm in Position gebracht.
 
Besuch in Marktl?
 
Professioneller gehen da schon Bürgermeister Hubert Gschwendtner und Ortspfarrer Josef Kaiser mit der neuen Popularität um. Vor dem Amtszimmer des Rathauschefs stehen die Kamerateams Schlange, der Pfarrer gibt in der Kirche St. Oswald bereitwillig ein Interview nach dem andern. Er wiederholt gerne noch einmal, was er schon am Abend zuvor gesagt hat. "Als der weiße Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufstieg, wusste ich: Joseph Ratzinger ist Papst."
 
Gschwendtner versucht seit dem frühen Morgen, dem neuen Papst Benedikt XVI. eine Einladung für einen Besuch in Marktl zu schicken. Doch er weiß nicht recht, wohin er das Fax schicken soll. Die Sitzung des Gemeinderates am Mittag kennt nur ein Thema: Wie verkraftet der Ort an der Grenze zu Österreich, dass er so plötzlich international bekannt geworden ist? Zwar hatte der rührige Rathauschef für den Fall der Fälle vorgesorgt und für Dienstagabend rasch eine Feier samt Böllerschützen und Blasmusik auf dem Marktplatz organisiert. Doch der Rummel um Marktl wird noch eine ganze Weile anhalten.
 
Reise nach Rom
 
Im Heimatmuseum steht das Taufbecken, über dem Joseph Ratzinger noch am Tag seiner Geburt, einem bitterkalten Karsamstag, in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen wurde. Am Geburtshaus hängt eine Erinnerungstafel.
 
Zu seinem 70. Geburtstag hatte Kardinal Ratzinger Marktl im Jahr 1997 zum vorerst letzten Mal besucht und war dabei zum Ehrenbürger ernannt worden. Jetzt wollen alle im Dorf, dass "ihr" Sohn als Pontifex wiederkommt und dabei möglichst das neue Papst-Museum einweiht. Gschwendtner hofft, dass Benedikt XVI. seine bereits zugesagte Teilnahme am Weltjugendtag im August in Köln zu einem Abstecher nach Marktl nutzt. Doch erst einmal gehen sie im kleinen Dorf auf große Reise in die "Ewige Stadt": Zur Inthronisation "ihres" Papstes an diesem Sonntag fahren sie nach Rom.
 
Robert Attenhauser / Paul Winterer, dpa
 

Mittwoch, 20. April 2005

Blasmusik und Freibier
Ein Papst aus Bayern


Im Geburtsort des neuen Papstes Benedikt XVI, in Marktl am Inn, haben die Einwohner am Dienstagabend die Wahl von Joseph Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche mit Blasmusik und Freibier gefeiert.
 
Mehrere hundert Menschen und damit ein guter Teil der 2800 Einwohner der kleinen Gemeinde unweit des bayerischen Wallfahrtsortes Altötting versammelten sich zum Gottesdienst in der örtlichen Kirche. Im nahe gelegenen Gemeindesaal wurde vor rotem Hintergrund und mit grünen Girlanden geschmückt ein Bild des neuen Papstes aufgestellt - eine Kapelle spielte Blasmusik, die Freiwillige Feuerwehr half beim Ausschenken von Freibier.
 
Die Feuerwehr hatte kurzerhand den ganzen Ort für den Autoverkehr gesperrt, in den Dutzende Kamerateams, Fotografen und Reporter nach der Ausrufung des neuen Papstes geströmt waren.
 
Die Einwohner freuen sich über die Wahl Ratzingers, der 1927 in Marktl geboren wurde. Allerdings zeigten sich manche auch skeptisch. "Es ist nie schlecht, wenn ein Marktler Papst wird", sagte der 61-jährige Klaus Ballerstaller, der zuvor in traditioneller bayerischer Tracht in Lederhosen und Filzhut den Gottesdienst besucht hatte. "Es ist gut, wenn man bestimmte Dinge in der Kirche erhält, allerdings sollte man sich dem Zeitgeist nicht verschließen", fügte er mit Blick auf den als konservativ geltenden Ratzinger hinzu.
 
Die 47 Jahre alte Maria Egerter hat in der örtlichen Sauna vom Bademeister von der Wahl Ratzingers erfahren. "Wir freuen uns", sagte sie. Und obwohl sie sogar entfernt mit dem neuen Papst verwandt ist, findet sie auch kritische Töne: "Was er bringt, muss man erst abwarten. Er ist ja recht konservativ. Im Sinne der Frauen ist seine Wahl eher schlecht." Sie selbst habe sich jedenfalls eher einen afrikanischen oder lateinamerikanischen Papst gewünscht.
 
Der 18 Jahre alte Martin Alber hofft, dass seine kleine Heimatgemeinde nun ein wenig bekannter wird und viele Pilger und Touristen anreisen - zumal mit Altötting ein traditioneller Wallfahrtsort ganz in der Nähe liegt. Er selbst kennt auch das Geburtshaus Ratzingers, er wohnt nur drei Häuser davon entfernt. "Das ist eine saubere Sache weil er fast mein Nachbar ist", sagt er zu dem neuen Papst.
 
Eine Gruppe junger Katholiken hat auch schon formuliert, was sie von dem neuen Papst erwartet. "Papst Benedikt XVI - Wir erwarten dich in Köln", steht auf ihrem großen Transparent mit Blick auf den Weltjugendtag im Sommer, zu dem sie den neuen Papst gerne sehen würden.
 

 

Johannes Paul II Spezial

--------------------------------------------------------------------------------------------

BildergalerieI  - ab 3. April 2005

BildergalerieII - ab 6. April 2005

Bildergalerie III - 8. April 2005: Beisetzung Johannes Pauls II am Petersplatz

Artikel ab 3. April 2005

Artikel ab 5. April 2005

Artikel ab 7. April 2005

Artikel 8. April 2005: Beisetzung des Papstes am Petersplatz

Artikel ab 9. April 2005, nach der Beisetzung des Papstes

Ab 18. April 2005 Konklave: Berichte über Konklave

--------------------------------------------------------------------------------------------

Download Counter